Remote-Hackdays – neue Zeiten, neue Formate

Wie erinnere ich mich oder denke daran die Corona-Abstandsregeln einzuhalten? Wie kann ich mich trotz der momentanen Homeschooling-Situation zum Hausaufgaben machen motivieren? Und wäre ein fahrender Desinfektionsspender nicht die perfekte Alltagsstütze? Schüler*innengruppen dreier Schulen haben an der Remote-Hackdays-Testphase von Make Your School teilgenommen, sich mit genau diesen Fragestellungen auseinandergesetzt und fantastische Prototypen entwickelt.

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten seit Mitte März 2020 alle geplanten Hackday-Veranstaltungen von Make Your School abgesagt werden. Unabhängig vom ursprünglich geplanten Hackdays-Betrieb haben wir daher eine Remote-Hackdays-Pilotphase gestartet. Bei den Remote-Hackdays soll den Schüler*innen die Möglichkeit geboten werden, trotz Kontaktbeschränkungen in virtuellen Teams zu tüfteln, zu programmieren und Prototypen zu bauen. Die Schüler*innen erhalten jeweils ein kleines Materialset, mit dem sie von zuhause aus tüfteln können.

Bei den drei Pilotveranstaltungen, die im Juni und Juli 2020 stattfanden, entstanden zahlreiche Hacks, die den Schüler*innenalltag während Corona erleichtern sollen. An lauten Jubelrufen, stolzen Gesichtern und Aussagen wie „Ich hätte nie gedacht, dass wir das hinbekommen. Ich bin richtig stolz auf uns“, konnte man ablesen, dass auch das digitale Format fruchtete und den gewünschten Effekt – Spaß am Tüfteln und Programmieren und Erfahrungen der Selbstwirksamkeit – erzielte.

Hacken alleine zu Hause und doch zusammen!

Über ein Videokonferenztool wird bei den Remote-Hackdays eine Art digitales Klassenzimmer simuliert, in dem alle Teilnehmenden miteinander kommunizieren. Dabei werden die Schüler*innen in Gruppen eingeteilt und können in sogenannten Break-Out-Räumen gemeinsam Ideen sammeln und tüfteln, um dann individuell zuhause ihre Prototypen umzusetzen. Die Schüler*innen werden dabei, wie auch bei den Hackday-Veranstaltungen vor Ort, von unseren Mentor*innen unterstützt. Die Mentor*innen wählen sich in die verschiedenen Break-Out-Räume ein und helfen den Schüler*innen ihre Ideen umzusetzen.

Die angeleitete Ideenfindungsphase wurde an die Remote-Situation angepasst. Gemeinsam brainstormen die Schüler*innen an einem digitalen Board.

 

Die Remote-Hackday-Veranstaltung erschließt sich über zwei Tage. Nach dem ersten Auftakt und einer kurzen Einführung in das Format bauen die Schüler*innen gemeinsam einen ersten „Mini-Hack“. Um mit den Materialien und der Programmierung des Microcontrollers vertraut zu werden, bauten die Schüler*innen unter Anleitung der Mentor*innen einen „Timer“, der nach Drücken eines Knopfes anfängt zu piepsen. Man merkte, wie dabei plötzlich die Begeisterung und das Verständnis für die Elektrotechnik in den Jugendlichen anstieg. Die Schüler*innen verstanden nun die Bauteile und die Grundlagen des für sie vorher unbekannten Programmiercodes. Freudig präsentierten die Jugendlichen ihre selbstgebauten Timer. An den stolzen Gesichtern erkannte man, dass die Jugendlichen nun motiviert waren und richtig Lust hatten, ihre eigenen Hacks zu gestalten und umzusetzen.

Herausforderungen beim Homeschooling: „Die Eltern kommen immer während der Videokonferenz in mein Zimmer“

Mit Hilfe eines Online-Whiteboards konnten die Schüler*innen gemeinsam brainstormen. Sie sammelten Ideen zu aktuellen Herausforderungen und Möglichkeiten, die momentane Situation zu verbessern. Die digitalen Haftnotizzettel füllten sich mit diversen Herausforderungen, die von „die Eltern kommen IMMER während Videokonferenzen in mein Zimmer“ über „ich kann mich selbst schwer motivieren an Schulaufgaben zu arbeiten“ bis zu „ich vermisse den regelmäßigen Kontakt zu meinen Freund*innen“ reichten.

Am Ende der Veranstaltung präsentierten alle Schüler*innenteams ihre Prototypen in der Videokonferenz und führten die Funktionsweisen ihrer Hacks vor. Es entstanden unter anderem lautstarke Abstandsmessgeräte, eine Art Taskmanager, der durch die Ausgabe von Tönen an neue Aufgaben erinnerte und diese per LCD-Bildschirm vortrug, ein „Fieberthermometerhut“, der die aktuelle Temperatur der Person misst, die diesen trägt und die Temperatur über einen bunt leuchtenden Bildschirm anzeigte, sowie ein „digitaler Freund“, der singen, reden und „nerven“ kann. Schon in der Hacking-Phase zeigten laute Jubelrufe, dass die Remote-Hackdays auch digital dazu beitragen können, gemeinsam mit den Jugendlichen Erfolge zu erzielen. Es war wunderbar zu sehen, wie stolz die Jugendlichen auf ihre Entwicklungen und Projekte waren. An Aussagen wie „Danke dir für deine Hilfe, ohne dich hätten wir das nie so geschafft“ konnte man ablesen, wie auch auf digitalem Wege die Unterstützung unserer Mentor*innen gefruchtet hatte.

Um den Schüler*innen ab der 8. Klasse, unabhängig von den technischen Voraussetzungen zuhause, die Teilnahme an den Remote-Hackdays zu ermöglichen, wurde den Jugendlichen die Möglichkeit geboten, auch aus den Räumlichkeiten der Schule heraus teilzunehmen, was ein Teil der Schüler*innen wahrnahm.

Bei der Abschlusspräsentation führten die Jugendlichen ihre Prototypen vor.

 

Nach dem erfolgreichen Test ist vor der Weiterentwicklung

Alles in allem war also der erste Test dieses neuen Formats ein voller Erfolg! Nichtsdestotrotz versuchen wir die Remote-Hackdays gemeinsam mit unseren Entwickler*innen von Creators Collective für den nächsten Testlauf weiterzuentwickeln und an einigen Stellen noch weiter zu verbessern.

Ein großes Dankeschön möchten wir hier auch noch einmal unseren Entwickler*innen von Creators Collective, den Mentor*innen, den Lehrkräften der Johannes-Kepler-Realschule Viersen, des Gymnasiums Goetheschule Hannover, des Schiller-Gymnasiums Offenburg, der Klaus Tschira Stiftung als unserem bundesweiten Förderer und der Vector Stiftung als unserem Regionalförderer für Baden-Württemberg aussprechen, ohne all jene die Umsetzung dieser ersten Remote-Hackdays nicht möglich gewesen wäre.

unterstützt als Projektmanagerin Schulen bei der Organisation von Hackdays. Zudem ist sie im Make-Your-School-Team für die Sachbearbeitung zuständig.