„Make Your School hat uns zusammengebracht!“

Die Innovationsagentur Creators Collective und Make Your School sind eng miteinander verbunden: Schon bei den allerersten Hackdays 2017 an der Gustav-Heinemann-Schule in Rüsselsheim waren zwei der Gründer von Creators Collective – Paul Weber und Michael Weber – mit dabei. Wie aus dieser Begegnung Creators Collective entstanden ist und warum Make Your School eines ihrer Herzensprojekte ist, erzählt uns Paul Weber.

Wer oder was ist Creators Collective und was macht ihr?

Creators Collective ist vor allem ein interdisziplinäres Team. Gemeinsam setzen wir ganz unterschiedliche Projekte um. Das, was uns verbindet, ist unsere Werteorientierung: Wir arbeiten für eine nachhaltigere und sozial gerechtere Zukunft. Deshalb entwickeln wir nutzenstiftende Produkte, nachhaltige Geschäftsmodelle und soziale Innovationen von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung. Das kann ein Restaurant sein, wo das Essen direkt vom Feld auf den Teller kommt, ein leichter und nachhaltig produzierter Rollator, aber auch ein Bildungsprojekt, wie Make Your School. Durch das interdisziplinäre Team können wir in fast jeder Branche unterstützen, optimieren oder neue Arbeits- und Sichtweisen einbringen.

Interdisziplinär ist ein gutes Stichwort. Wer ist denn bei Creators Collective mit dabei?

Das stimmt, denn die Vielfalt macht uns aus: Wir sind Entrepreneure, Leute aus den kreativen Bereichen, wie Produktdesign, Kommunikationsdesign oder Architektur, und aus der Technik, wie Bauingenieurwesen oder Maschinenbau, haben aber auch eine Social-Media- und Videoexpertin mit dabei. Wir nennen uns ein Kollektiv, weil wir alle auf einer Augenhöhe zusammenarbeiten. Bei uns gibt es keine Hierarchie, wodurch viele Teilaufgaben immer neu verteilt werden, je nachdem welche Projekte anstehen. Creators Collective ist ein selbstorganisiertes Unternehmen. Dabei entscheiden eng verbundene Freischaffende genauso mit wie der innere Gründungskern. Inzwischen sind wir vierzehn Kreative. Je nach Projekt finden sich dann Teams aus zwei, drei oder auch mal mehr Personen zusammen, deren Fähigkeiten gefragt sind.

Creators Collective gibt es seit Oktober 2017. Erzähl uns mal eure Gründungsgeschichte.

Im März 2017 fanden die ersten Hackdays von Make Your School an der Gustav-Heinemann-Schule in Rüsselsheim statt. Michael Weber und ich haben uns bei der Vorbereitung auf die Hackdays und währendessen gut kennen gelernt. Dabei haben wir schnell gemerkt, dass wir ähnlich denken und uns gut ergänzen. Ich wollte als Maschinenbauer schon immer Ideen umsetzen, war aber damals nicht der Kreative, der Ideen generiert. Michael dagegen kam über Umwege aus der Unternehmensberatung in die Kreativbranche und kann durch seine Erfahrungen in Design Thinking und anderen Innovationsprozessen Ideen generieren – das passt perfekt! Also haben wir uns gemeinsam mit der Kommunikationsdesignerin Eva Jahnen, die Michael von früheren Gründungen schon kannte, zusammengesetzt. Michael hatte bereits länger die Idee eines innovativen und kreativen Unternehmens und wir wollten auch etwas in diese Richtung starten. Aber erst dadurch, dass sich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit begegnet sind, ist es dann auch passiert und wir haben Creators Collective gegründet. Make Your School hat uns zusammengebracht.

 

Ein junger Mann zeigt zwei Schülern wie man den Lötkolben bedient.
Paul und sein Kollege Michael arbeiten nicht nur als Entwickler mit uns zusammen. Sie kommen auch als Mentoren bei Hackdays zum Einsatz.

Ihr seid von Anfang an bei Make Your School mit dabei, habt die Ideenfindungsphase der Hackdays erarbeitet, das Materialkoffer-Set zusammengestellt und kürzlich die ersten Make-Your-School-Awards für das Maker Festival entwickelt. Was gefällt dir an der Arbeit mit Make Your School am besten?

Ich fand die erste Entwicklungsphase sehr beeindruckend. Für mich persönlich war das eine große Zeit des Wandels. Ich habe mich selbstständig gemacht, wir haben Creators Collective gegründet. Make Your School war das erste Projekt an dem Michael und ich tatsächlich zusammengearbeitet haben. Da haben wir auch Schritt für Schritt erarbeitet, wie wir euch als gemeinnützige Organisation und darüber auch die Jugendlichen unterstützen können. Es war sehr schön zu erfahren wie unsere Fähigkeiten einen großen Mehrwert bieten können. Zusätzlich macht es auch einfach Spaß ein so engagiertes Team wie das von Make Your School in der Umsetzung eines solch visionären Projekts zu unterstützen.

Wie sah eure Arbeit in dieser ersten Entwicklungsphase aus?

Bei den ersten Hackdays war das Konzept noch sehr offen. So war etwa der Ablauf mit der Ideenfindungsphase noch nicht so strukturiert wie heute und es gab noch keine Materialkoffer-Sets. Aus dieser Pilotphase haben wir sehr viel gelernt. Danach hat uns Elena Tibi, die Projektleiterin, offiziell ins Entwicklungsteam aufgenommen. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Gemeinsam mit SYNTOP haben wir die Materialkoffer-Sets zusammengestellt und den Ablauf erarbeitet: Wie soll die Ideenfindungsphase gestaltet sein? Welche Materialien werden dafür benötigt? Was sollte eine Auftaktpräsentation beinhalten? Solche Fragen haben uns dabei beschäftigt.

Warum findest du es wichtig, dass Jugendliche tüfteln und hacken?

Making und Hacking bieten Jugendlichen die Möglichkeit, auf zwei Arten hinter die Kulissen moderner Technologien zu schauen. Zum einen lernen sie Technik nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu verstehen. Auch wenn die Gehäuse unsere Smartphones und Laptops die Technik, die dahintersteckt, nicht erkennen lassen, heißt es nicht, dass wir sie nicht verstehen können. Beim Making und Hacking findet eine Entmystifizierung statt, die zeigt: Wenn ich mich wirklich damit befasse, kann ich die Technik hinter dem Gerät verstehen und sogar selbst erschaffen!
Während der Ideenfindungsphase schauen die Jugendlichen schließlich auch hinter die Kulissen ihrer Schule. Sie hinterfragen die Räumlichkeiten oder Abläufe in ihrer Schule kritisch und merken, dass sie etwas ändern dürfen und auch können. Sie können selbst etwas bewirken, sei es durch Technologie oder auch erstmal durch eine Idee oder ein Konzept. Der Anwendungsbezug ermöglicht den Jugendlichen ihr Wissen direkt zu nutzen und ihre Idee umzusetzen.

Was hilft euch kreativ zu sein? Mit welchen Techniken oder Tools arbeitet ihr?

Das „euch“ und „ihr“ ist an der Stelle sehr passend, denn niemand von uns könnte allein kreativ sein. Kreativität funktioniert erst, wenn ich meine Ideen und Einschränkungen mit den Ansichten und Perspektiven anderer zusammenbringe. Wenn also viele Wahrnehmungen zusammenkommen, entsteht Kreativität – schon allein durch den Versuch alle Ansichten zu berücksichtigen. Bei Creators Collective findet das Gewinnen unterschiedlicher Perspektiven in Form von Workshops und Impulsen statt, die wir uns gegenseitig geben. Dabei stellen wir uns unsere Ideen gegenseitig vor oder arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Unsere Workshops kommen der Ideenfindungsphase von Make Your School sehr nahe: Zunächst so viele Ideen wie möglich sammeln und diese dann clustern und priorisieren. Auch bei uns sollen die Ideen möglichst breit sein. Alles ist erlaubt, auch wenn es scheinbar nichts mit dem Thema zu tun hat. Nur so bleiben wir kreativ und können uns am Ende auf eine Idee fokussieren.

Ein junger Mann bedient konzentriert eine Maschine. Sie sieht aus die eine metallene Werkbank.
Paul an seiner Lieblingsmaschine, der CNC-Fräse.

Was sind deine Lieblingsprojekte von Creators Collective?

Ich habe viele Lieblingsprojekte, aber ich freue mich besonders über zwei sehr aktuelle Projekte. Als Maschinenbauer (und damit Technik-Begeisterter) ist eines meiner Lieblingsprojekte eine Lichtinstallation (http://paulvanlaar.com/portfolio/tensegrity), die wir für einen Co-Working-Space entwickelt und gebaut haben. Sie ist sowohl technologisch als auch gestalterisch sehr interessant: Jede einzelne Lichtröhre beinhaltet etwa 120 LEDs, die alle einzeln in Helligkeit und Farbe steuerbar sind und damit die unterschiedlichsten Animationen dargestellt werden können. Eine Open-Source-Plattform bietet jedem die Möglichkeit neue Animationen zu programmieren und so mit der verbauten Technik zu experimentieren.  Wir haben sie direkt in unserer Werkstatt gebaut und wir waren danach mal wieder beeindruckt davon, was man alles selbst erschaffen kann. Die Menschen in dem Co-Working-Space haben ähnliche Werkzeuge zur Verfügung. Wir wollen also auch zeigen: Auch ihr hättet die Möglichkeit so eine hochwertige Leuchte zu bauen. So etwas lässt mein Ingenieur-Nerd-Herz einfach höherschlagen.
Make Your School liegt damit gleich auf, weil es all meine anderen Ideale und Ziele berührt. Es ist ein sozial gerechtes Bildungsformat, was die nächste Generation dazu befähigen will die digitale Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Außerdem kann ich dadurch mit Institutionen wie Wissenschaft im Dialog zusammenarbeiten. Seit der Gründung von Creators Collective begleitet uns Make Your School. Wir können uns immer wieder vielseitig in die Entwicklung einbringen.

Zuletzt nun für dich noch eine Ingenieur-Nerd-Frage: Welche Maschine lässt dein Herz höherschlagen?

Meine Kollegen werden jetzt schmunzeln, weil es alle wissen: Meine CNC-Fräse. Sie ist sehr vielseitig einsetzbar und ermöglicht selbst die Fertigung von hochkomplexen Bauteilen für unterschiedliche Prototypen. Die Werkstatt ist insgesamt mein Lieblingsbereich. Genauso wichtig ist aber auch unser Kreativraum oder die Hängematte im Innenhof. In unserem Office können alle Menschen zusammenkommen, wir können gemeinsam bauen, brainstormen oder kochen. Es ist für mich deshalb ein sehr wichtiger und schöner Ort.

Babette Jochum ist seit dem 1. April 2019 bei Make Your School. Vorher arbeitete sie beim Junior Science Café, ebenfalls ein Projekt von Wissenschaft im Dialog. Dort hat sie sich viel mit digitaler Bildung beschäftigt.