Fertiges Modell des Netzwerkhubs Niederbayerns (TH Deggendorf). Gebaut von Anna Katharina Kaiser.

Lego Serious Play beim Netzwerktreffen

Das Make-Your-School-Netzwerk wächst und gedeiht. Damit sich die Netzwerkhubs untereinander austauschen und vernetzen können, treffen sich die Netzwerkpartner*innen zwei Mal im Jahr: Beim Netzwerketraining im September und beim Netzwerketreffen im März. Während im September das Einarbeiten neuer Partner*innen und die Projektumsetzung im Fokus stehen, werden bei den Treffen im März größere Themen reflektiert. In diesem Jahr ging es um die Unterstützung beim Hacking und Making für begeisterte Schüler*innen über die Hackdays hinaus.

Durch die pandemische Situation im März 2022 konnte das Treffen leider nicht in Präsenz stattfinden. Damit das Treffen aber trotzdem Verbindung schafft und Freude macht, haben wir uns etwas Besonderes überlegt: Wir gehen der Frage der Unterstützung für Schüler*innen nicht nur mit Diskussionsrunden nach, sondern bauen das einfach mal selbst!

Mit Lego neue Ideen entwickeln

Wer denkt Lego gehört nur ins Kinderzimmer, hat wohl noch nie von „Lego Serious Play“ gehört. Diese Methode, die sich zu „Lego ernsthaftes Spiel“ übersetzen lässt, wurde 2002 vom dänischen Spielzeughersteller entwickelt, um Teams beim Visualisieren von Unternehmensprozessen zu unterstützen. Mit den bunten Klötzchen bauen die Teams Modelle von Abläufen oder Situationen, um diese zu analysieren, zu überdenken und gegebenenfalls weiterentwickeln zu können. Dabei hilft es, dass automatisch eine gewisse Abstraktion stattfindet und die Teilnehmenden kreativ werden müssen, um mit den gegebenen Bauteilen das gewünschte Modell zu bauen. Auch der spielerische Aspekt von Lego und die für solche Situationen ungewöhnliche Verbindung von etwas Haptischem, helfen aus gewohnten Mustern auszubrechen.

Die Phasen eines Lego Serious Play Workshops

Wenn die Gruppe noch keine Erfahrungen mit der Methode hat, startet der Workshop mit einer Einführung. Nach dem „Warum spielen wir heute mit Lego?“, folgt die Erklärung von den zwei Grundprinzipien, auf denen die Methode aufbaut: Abstraktion und Storytelling. Mit den bunten Bausteinen können Situationen und Prozesse nicht realitätsgetreu dargestellt werden. Es muss immer eine Abstraktion stattfinden. Vielen Teilnehmenden fällt das schwer und es hilft ihnen Beispiele zu sehen.

Eine Zeichnung einer Person und einer abstrakten Legofigur wird bildlich dargestellt. Die Farben der Legobausteine, stimmen mit der gemalten Figur.
Beispiel für eine Abstraktion mit Lego-Bausteinen (Zeichnung von Leilah Maier)

Um einen Prozess oder eine Situation darzustellen, müssen die einzelnen Elemente in Relation zueinander gesetzt werden. Das kann unterschiedlich aussehen, je nachdem welcher Zusammenhang dargestellt werden soll: Ist es eine zeitliche Abfolge? Eine kausale Bedingung? Ein hierarchisches System?

Schematische Darstellung von Zusammenhangsmöglichkeiten (Zeichnung von Leilah Maier)

Wenn die Grundlagen erklärt sind, teilen sich Lego Serious Play Workshops klassischer Weise in drei Phasen:

  1. Einzelmodelle – Die Teilnehmenden bauen jeweils ein Modell zu der Fragestellung. Diese werden anschließend den anderen Teilnehmenden präsentiert.
  2. Gruppenmodell – Die Teilnehmenden bauen ein großes gemeinsames Modell zu der Fragestellung, für das sie Teile der Einzelmodelle verwenden.
  3. Systemmodell – Die Teilnehmenden bauen die externen Faktoren, die Einfluss auf die Fragestellung haben und verknüpfen diese mit ihrem eigenen Modell.

Anpassungen für den Remote Workshop

Wegen der hohen Covid19-Inzidenzen im März 2022 fand das Treffen virtuell statt. Dadurch entfiel die Möglichkeit die Einzelmodelle zu einem Gruppenmodell zusammenzufügen und daran gemeinsam weiterzuarbeiten. Stattdessen haben die Teilnehmenden ihre Einzelmodelle im Austausch mit anderen weiterentwickelt. Die Arbeitsaufträge lauteten:

  1. Baut die Visitenkarte eurer Organisation: Wer seid ihr? Was macht ihr?
    Die Teilnehmenden haben Einzelmodelle von ihren Organisationen gebaut und anschließend in der großen Runde präsentiert.
  2. Wie unterstützt ihr Schüler*innen dabei nach den Hackdays weiter zu Hacking und zu Making?
    Jeder Netzwerkhub von Make Your School ist auch anderweitig in der MINT-Bildung aktiv. In dieser Bauphase sollten die Teilnehmenden ihr Einzelmodell gezielt um andere Hacking- und Making-Angebote (von ihnen selber oder aus ihrem Netzwerk) ergänzen, an die sie interessierte Schüler*innen verweisen können.
  3. Lücken in der Unterstützungs-Kette für Schüler*innen identifizieren
    In Breakout-Räumen haben die Netzwerkpartner*innen gemeinsam überlegt, wo sie jeweils Lücken in ihrem Netzwerk zur Unterstützung der an Hacking und Haking begeisterten Schüler*innen haben.
  4. Teilnehmende bauen ideale Partner für diese Lücken.
    Nachdem die Lücken im Austausch mit anderen Netzwerkmitgliedern identifiziert wurden, haben die Teilnehmenden „Lückenfüller“ gebaut. Zum Beispiel den Kontakt zum lokalen Fablab oder Makerspace oder die Verbindung zu anderen Projekten, die gestärkt werden könnte. Anschließend wurden die Modelle mit ihren Anbauten in der großen Runde präsentiert.

Fazit zu Lego Serious Play beim Netzwerketreffen im März 2022

Die Teilnehmenden waren sehr angetan von der Methode und positiv überrascht, wie viel sie aus dem Workshop mitnehmen konnten. Durch den spielerischen Ansatz von Lego Serious Play haben sie den gemeinsamen Tag als sehr kurzweilig wahrgenommen. Nichtsdestotrotz waren nach sechs Stunden des gemeinsamen Denkens und Bauens die Gehirne erschöpft.

Für das Make-Your-School-Team war der Tag ebenfalls ein Erfolg. Wir haben neue Einblicke in die Strukturen unserer Netzwerkpartner*innen gewonnen und viele Impulse mitgenommen. Und die Methode Lego Serious Play ist definitiv in unseren Methodenkoffer gewandert.

Eine gezeichnete Lego-Figur sagt durch eine Sprechblase: "Bis zum nächsten Mal!"
Bis zum nächsten Mal! (Zeichnung von Leilah Maier)

 ist verantwortlich für den Aufbau, die Weiterentwicklung und die Koordination des bundesweiten Make-Your-School-Netzwerks und die Koordination der Projektevaluation. Leilah ist Ansprechpartnerin für alle potenziellen regionalen Partnerorganisationen.